Nervensystemorientierte Arbeit mit Fokus auf Stabilisierung, Regulation und Pacing




Wenn Erholung erschwert ist 

Menschen mit ME/CFS erleben oft, dass ihr Körper bereits auf geringe körperliche, kognitive, emotionale oder soziale Belastungen mit einer deutlichen Verschlechterung reagiert. Schon kleine Anforderungen können sehr viel Energie kosten.

Viele Betroffene haben das Gefühl, dauerhaft unter Anspannung zu stehen oder sich selbst in Ruhephasen nicht wirklich erholen zu können. Der Körper scheint ständig beschäftigt zu sein, Belastungen auszugleichen und mit Reizen umzugehen. Erholung, Regulation und Regeneration werden dadurch erschwert und benötigen Zeit.

In der Arbeit mit Somatic Experiencing bei ME/CFS geht es nicht darum, den Körper zu aktivieren oder die Leistungsfähigkeit zu steigern.

Im Mittelpunkt steht vielmehr eine Begleitung, die darauf ausgerichtet ist, Überforderung möglichst zu vermeiden, Stabilität zu unterstützen und den Körper in seinem eigenen Tempo wahrzunehmen.

Entscheidend für die Arbeit ist dabei immer das persönliche Anliegen.

Wie arbeitet Somatic Experiencing mit dem Nervensystem?

Somatic Experiencing richtet die Aufmerksamkeit auf das, was im Körper im jeweiligen Moment spürbar ist. Nicht Erklärungen oder Inhalte stehen im Vordergrund, sondern das unmittelbare Erleben.

Das können Körperempfindungen, Spannungszustände, Gefühle, innere Bilder oder kleine Veränderungen im Befinden sein. Oft kann bereits dieses ruhige und differenzierte Wahrnehmen entlastend wirken.

Ein wichtiger Teil der Begleitung ist dabei auch das therapeutische Setting selbst. Ein ruhiges Gegenüber, klare Rahmenbedingungen und das Gefühl von Sicherheit im Außen können dem Nervensystem helfen, langsam etwas mehr Ruhe zu finden.

Im Kontext von ME/CFS steht dabei nicht das Aufarbeiten belastender oder traumatischer Erfahrungen im Vordergrund. Ziel ist vielmehr ein Rahmen, in dem sich etwas mehr Orientierung, Sicherheit und Stabilität entwickeln können.

In manchen Situationen können auch sehr sanfte Elemente aus der craniosacralen Arbeit unterstützend sein. Berührung, Dauer und Intensität werden individuell angepasst und nur dann genutzt, wenn sie als entlastend und stabilisierend erlebt werden.

Weitere Informationen zur Arbeitsweise von Somatic Experiencing finden Sie hier:
→ Somatic Experiencing

Wenn Sie sich vertiefend für die Funktionsweise des Nervensystems interessieren, finden Sie weitere Informationen auf der Seite
→ Wie funktioniert unser Nervensystem?

Warum stehen Regulation und Stabilisierung in der Arbeit mit ME/CFS im Vordergrund?

Bei ME/CFS reagieren viele Menschen besonders sensibel auf innere und äußere Reize. Schon geringe körperliche, kognitive, soziale oder emotionale Belastungen können zu viel werden und zu einer deutlichen Verschlechterung führen.

Deshalb geht es oft zunächst nicht darum, mehr zu schaffen, sondern den Körper möglichst nicht zusätzlich zu überfordern.

Regulation bedeutet dabei nicht, einen bestimmten Zustand erreichen zu müssen. Oft geht es zuerst darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen sich etwas mehr Sicherheit, Orientierung und Entlastung entwickeln können.

Dazu gehören ausreichend Pausen, angepasste Rahmenbedingungen, individuelle Behandlungszeiten und ein Tempo, das sich an der aktuellen Verfassung orientiert.

Viele Menschen mit ME/CFS erleben mit der Zeit, dass das Vertrauen in den eigenen Körper verloren gehen kann. Die Begleitung kann dabei unterstützen, die eigenen Reaktionen besser zu verstehen, Warnsignale früher wahrzunehmen und achtsamer mit den eigenen Grenzen umzugehen.

Was bedeutet Pacing im Zusammenhang mit Somatic Experiencing?

Pacing bedeutet einen achtsamen Umgang mit den eigenen Kräften und Belastungsgrenzen. Ziel ist es, Überforderung möglichst zu vermeiden und den Körper nicht zusätzlich zu erschöpfen.

Dabei geht es nicht nur um die Begleitung selbst. Bereits die Vorbereitung auf einen Termin, die Anreise, Wartezeiten oder das Gespräch können viel Energie kosten.

Deshalb zeigt sich Pacing oft in kleinen Anpassungen:
eine ruhigere Umgebung, gedämpftes Licht, Pausen zwischendurch, Liegen statt Sitzen oder manchmal auch weniger Gespräch und mehr Ruhe.

Ebenso wichtig ist die Dosierung innerhalb der Begleitung. Dauer, Tempo und Aufmerksamkeit werden immer wieder an die aktuelle Verfassung angepasst. Nicht alles muss gleichzeitig wahrgenommen, benannt oder bearbeitet werden.

In diesem Sinn ist Pacing weniger eine Technik als eine Haltung. Sie schafft einen Rahmen, in dem sich Sicherheit entwickeln kann, ohne das Nervensystem zusätzlich zu überfordern.

Wie können Belastung und traumatische Erfahrungen bei ME/CFS entstehen?

Das Leben mit ME/CFS ist für viele Menschen mit tiefgreifenden Veränderungen und Einschränkungen verbunden. Körperliche Symptome, plötzliche Verschlechterungen, sozialer Rückzug, eingeschränkte oder verlorene Arbeitsfähigkeit und der Verlust von Selbstverständlichem können über längere Zeit sehr belastend sein.

Auch Erfahrungen im medizinischen oder sozialen Umfeld können zusätzlich belasten – etwa wenn Symptome nicht ernst genommen werden, Grenzen wiederholt überschritten werden oder Betroffene sich unter Druck gesetzt fühlen, mehr leisten zu müssen, als möglich ist.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu verstehen, dass psychische Belastung und auch traumatische Erfahrungen nicht nur aus einzelnen Ereignissen entstehen. Häufig entwickeln sie sich durch die Dauer, Intensität und ständige Wiederholung von Überforderung und Unsicherheit.

Wichtig ist zudem, dass manche Symptome eines dysregulierten Nervensystems jenen von Traumafolgestörungen oder psychischen Erkrankungen wie Depression ähneln können. Diese Ähnlichkeiten können dazu führen, dass Beschwerden missverstanden oder falsch eingeordnet werden.

ME/CFS ist jedoch eine körperlich bedingte Multisystemerkrankung. Veränderungen im Nervensystem sind Teil des Krankheitsgeschehens und nicht Ausdruck einer primär psychischen Erkrankung.

Gleichzeitig können die anhaltenden Belastungen, Einschränkungen und Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung sekundär zu psychischer Überlastung oder traumatischen Folgereaktionen führen.

Eine differenzierte Betrachtung ist daher wesentlich – um die körperlichen Grundlagen von ME/CFS ernst zu nehmen und zugleich die möglichen seelischen Folgen angemessen einzuordnen.

Durch meine persönliche Erfahrung als Mutter von Söhnen mit ME/CFS kenne ich viele der Herausforderungen, Grenzen und Unsicherheiten, die diese Erkrankung für Betroffene und ihr Umfeld mit sich bringen kann.

Diese Erfahrung prägt meine Haltung in der Begleitung – mit besonderer Achtsamkeit für Sicherheit, Stabilisierung und Respekt vor individuellen Grenzen.

Eine Frage der Haltung, nicht der Methode

Die Arbeit mit Somatic Experiencing im Kontext von ME/CFS ist weniger eine Frage bestimmter Techniken als eine Frage der Haltung.

Im Mittelpunkt stehen Achtsamkeit, Zurückhaltung, Respekt vor den individuellen Grenzen des Körpers und ein Tempo, das sich an der aktuellen Verfassung orientiert.

Nicht der Körper soll funktionieren müssen. Vielmehr geht es darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Sicherheit, Entlastung und vorsichtige Regulation überhaupt entwickeln können.

In diesem Rahmen kann es sinnvoll sein, bei Bedarf auch sanfte Elemente aus der craniosacralen Arbeit einzubeziehen. Diese werden nicht als eigenständige Methoden verstanden, sondern immer eingebettet in eine körper- und nervensystemorientierte Begleitung.

Wenn Sie an dieser Art der Begleitung interessiert sind, haben Sie die Möglichkeit, ein kostenloses Erstgespräch zu vereinbaren 

→kostenloses Erstgespräch